Vortrag Dissertation Medizin Studium

22. Februar 2016 | by Team Thesius

Du hast Monate, vielleicht sogar Jahre fast ausschließlich für Deine Doktorarbeit gelebt. Du hast jedes Mal, wenn Dein Betreuer Dich dazu aufgefordert hat, gewissenhaft und treu den Stand der Dinge wiedergegeben und Verbesserungsvorschläge eingearbeitet. Du hast Deine Arbeit abgeschlossen, ausgedruckt und ordentlich gefeiert.

Nun ist es Zeit für den letzten Schritt auf dem Weg zum Doktortitel: die Verteidigung Deiner Dissertation. Wenn Du die folgenden Promotion-Insider-Tipps befolgst, kannst Du Dein Prüfungskomitee beeindrucken und Dich innerhalb kürzester Zeit mit dem Doktortitel schmücken.

Vor Beginn der Verteidigung solltest Du Dir dafür Zeit nehmen:

 

Prepare Your Presentation

Mit einer gut vorbereiteten Präsentation kannst Du Dich selbst beruhigen und Deine Prüfer beeindrucken. So mancher unangenehmen oder unpassenden Nachfrage kann so vorgebeugt werden:

 

1-Seiten Abstract

Schreibe die Zusammenfassung Deiner Dissertation so, dass sie leicht und verständlich zu lesen ist. Prüfe die Lesbarkeit am besten mit fachfremden Freunden oder Verwandten.

 

Kopien der Präsentationsfolien

Verwende einen Clip oder eine große Büroklammer, damit die Komiteemitglieder die einzelnen Seiten leicht und schnell bearbeiten können. Versuche, mit nicht mehr als drei Folien pro Minute auszukommen.

 

Liste der Publikationen und Vorträge Deiner Dissertation

Wenn Du Deine Dissertation bereits veröffentlicht oder sie im Zusammenhang mit anderem Material in Fachzeitschriften oder auf Konferenzen präsentiert hast, solltest Du dies auf einer gesonderten Folie Deiner Präsentation veranschaulichen.

 

Prepare the Room

Du wirst Dich besser auf Deine Präsentation konzentrieren können, wenn Du alle logistischen, organisatorischen und anderen wichtigen Dinge vorher geplant hast. Komm am besten zeitig an den Ort des Geschehens und stelle sicher, dass die folgenden Dinge in Ordnung sind:

 

Erfrischungen

Wenn Du mit der Verteidigung der Dissertation gleich als erstes am Morgen dran bist, sind beispielsweise Kaffee und Bagels eine gute Wahl. Beachte dabei, mit was für Menschen Du es im Komitee zu tun hast. Vielleicht ist auch ein Teetrinker darunter. Zumindest Wasser und Kekse sollten jederzeit zur Verfügung stehen – das hebt die Stimmung.

 

Videokonferenz-Arrangements

Wenn Du ein Komiteemitglied aus der Ferne per Videozuschaltung in die Verteidigung miteinbeziehen musst, erstelle rechtzeitig einen Zeitplan und teste das Remote-Conferencing-Setup mindestens 15 Minuten, bevor Du die Präsentation startest. Wenn Du nicht computerbewandert bist, besprich Dich mit jemandem aus der IT-Abteilung. Sorge auch dafür, dass der Zugeschaltete Deine Folien sehen kann.

 

Gerätetest

Darüber hinaus solltest Du im Vorfeld sicherstellen, dass das WLAN funktioniert und alle Computer, Projektoren und Mikrofone angeschlossen und funktionstüchtig sind. Wenn die technischen Dinge einwandfrei ihren Dienst tun, kannst Du Dich leichtfüßiger zwischen Deinen Folien bewegen und Dich auf Deinen Vortrag konzentrieren.

In der Verteidigung selbst können Dir diese Tipps helfen:

 

Who I am

Starte am besten mit einer kurzen und knackigen Darstellung Deines persönlichen Hintergrunds. Erkläre, wo Du Deine vorherigen Abschlüsse gemacht und inwiefern sie Dich beeinflusst haben. Erläutere, an welchen Universitäten Du bereits geforscht, gelehrt oder gelernt hast und wie lange Du an der jetzigen promotionsbetreuenden Uni bist.

 

Focus  this is my dissertation

Die meisten Ausschussmitglieder des Prüfungskomitees werden einen Großteil Deiner Dissertation gelesen haben. Du kannst Ihnen jedoch sehr dabei helfen, sowohl die Tiefe und die möglichen Auswirkungen Deiner Forschung zu beurteilen, wenn Du Deine Präsentation auf das Wesentliche fokussiert hältst und Überflüssiges aussparst. Konzentriere Dich auf die Verteidigung Deiner Dissertation.

 

We’ve five questions…

Diese fünf Standardfragen werden Dir mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch in Deiner Dissertationsdiskussion begegnen:

 

1. Welche Forschungslücke konntest Du im bisherigen Stand der Forschung ausmachen?

Versuche darzustellen, inwieweit Du Dich mit welchen bereits untersuchten Parametern in Deinem gewählten Forschungsfeld auseinandergesetzt hast und warum. Wie hast Du Deiner Meinung nach eine Forschungslücke aufgetan, was waren Deine Pläne, um diese zu schließen?

 

2. Welches Problem/welche Forschungsfrage hast Du untersucht?

Beschreibe dies kurz und bündig. Sprich über Deine ursprünglichen Beobachtungen, Deine Hypothese und darüber, was Du mit Deinen Nachforschungen erreichen wolltest. Welches Ergebnis hast Du erwartet, bevor Du tatsächlich angefangen hast, tiefgründiger in die Materie einzusteigen?

 

3. Welche Ergebnisse konntest Du feststellen?

Erläutere Deine Erkenntnisse, vergleiche sie mit verwandten Arbeiten und lege dem Komitee dar, ob und wie sie mit Deinen ursprünglichen Vorhersagen übereinstimmen (oder Neues zu Tage gebracht haben).

 

4. Interpretiere Deine Ergebnisse und biete einen Ausblick

Deine Forschungsarbeit ist sowohl zeitlich als auch ressourcenmäßig begrenzt. Limited, sozusagen. Versuche, Deine Ergebnisse im Hinblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten zu interpretieren, verweise auf mögliche Anknüpfungspunkte und lege dem Komitee so dar, dass Deine Dissertation im Optimum quasi einen wichtigen Samen für einen neuen Forschungsbaum gesät hat.

 

5. Warum ist genau Deine Forschungsleistung wichtig?

Erkläre, wie ausgerechnet Deine Forschung dazu beitragen kann/konnte, derzeitige Praktiken in Deinem Bereich zu ändern, zu widerlegen oder voranzubringen. Finde eine Antwort auf folgende Frage: Wie kann es mit dem Thema weitergehen und warum lohnt sich das?

 

What’s the question of the questions?

Wenn Du Deine Dissertation z.B. bereits auf einer Konferenz vorgestellt hast, wirst Du feststellen, dass sich die Fragen in der Prüfung mit denen aus dem Fachpublikum ähneln. Einige Standardfragen, auf die Du Dich vorbereiten solltest, sind:

 

1. Was meinen Sie mit „funktioniert besser“/„liefert bessere Ergebnisse“ als die bisherigen Methoden?

Sei mit vergleichenden Aussagen während Deiner Präsentation vorsichtig und stets auf das Hinterfragen dieser Statements vorbereitet. Wenn Du sagst, dass Dein Verfahren oder Dein Produkt „besser funktioniert“, wenn Du es „optimal“ nennst oder auch wenn Du dazu neigst, es als „schneller“ als etwas anderes zu bezeichnen, dann musst Du auch darauf gefasst sein, dass ein Professor Dich bittet, Deine Aussage zu quantifizieren.

 

2. War das Ihre Erkenntnis oder die eines Teams?

Vermeide das Wort „ich“ während der Präsentation, wenn andere Dich bei Deiner Forschung unterstützt haben. Achte besonders darauf, auch Deinen Mitstreitern mit der „Wir“-Form Respekt und Anerkennung zu zollen, wenn dies angemessen ist.

 

3. Also in meiner Forschung… bei Ihnen nicht?

Manchmal Dozenten stellen Fragen, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Stelle sicher, dass Deine Arbeit den Mittelpunkt in Diskussion und Raum darstellt und nicht ins Hintertreffen gerät, weil Du damit beschäftigt bist, abteilungspolitische und auf Effekthascherei basierende Fragen zu beantworten.

 

Prepare Yourself

Zu guter Letzt solltest Du Dich selbst natürlich auch wohlfühlen. Trage die berühmte „dem Anlass entsprechende Kleidung“. Trotzdem sollte sie bequem sein. Iss vor der Verteidigung ordentlich, auch, wenn Du eigentlich gar keinen Hunger hast. Bring viel Wasser mit. Und auch, wenn es schwerfällt: Versuche, entspannt an die Sache heranzugehen. Sei Du selbst, überzeuge die anderen und rock das Ding!

Gut vorbereitet wirst Du das Prüfungskomitee sicherlich von Deinem verdienten Platz in der Gemeinschaft der Wissenschaftler überzeugen.

Wir wünschen Dir viel Erfolg!

 

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Die neue Promotionsordnung

Ungefähr zwei Drittel aller Medizinstudenten bzw. aller Ärzte promovieren, um ein kleines, aber bedeutungsschweres Präfix vor ihrem Namen führen zu dürfen - den "Dr. med.". Ohne dieses Kürzel ist man zwar mit Erhalt der Approbation studierter Arzt, doch den Titel "Dr." darf man noch lange nicht führen. Anne-Sophie hat sich mit der neuen Promotionsordnung beschäftigt und jemanden für euch interviewt, der schon unter der neuen Regelung seinen Doktortitel bekommen hat.

Was macht denn den Doktor aus?

Der Paragraph 2 der Würzburger Promotionsordnung (PO) sagt dazu folgendes:
"Promotionsleistungen dienen dem Nachweis der Befähigung zu vertiefter wissenschaftlicher Arbeit und sind:

  1. eine selbstständige medizinwissenschaftliche Arbeit (Dissertation, § 6) und
  2. eine mündliche Prüfung in Form einer Verteidigung der Dissertation in einem universitäts-öffentlichen Kolloquium (§ 8)." (Paragraph 2 der Promotionsordnung der Universität Würzburg)

Seit gut einem Jahr gilt in Würzburg eine neue (PO), nachdem die alte zuletzt sogar bundesweit in die Kritik geraten war. Stammte die alte PO ursprünglich aus dem Jahre 1983 und gewährte dem Doktoranden maximal 40 Seiten zur Abhandlung seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse, so ist die neue Ordnung diesbezüglich nicht festgelegt. Genauer vorgeschrieben sind hingegen der Ablauf des Rigorosums bzw. des mündlichen Kolloquiums.

Hat der Doktorand die wissenschaftlichen Arbeiten ordnungsgemäß durchgeführt und anschließend verschriftlicht, die Prüfungskommission diese akzeptiert und bewertet, so steht irgendwann das Kolloquium an.

Das Kolloquium ist nach Änderung der PO wohl der Teil, der die größten Neuerungen erfahren hat. Gemäß der alten PO wurde die mündliche Prüfung von zwei Prüfern unterschiedlichen Faches abgehalten und sollte mindestens 30 Minuten pro Fach dauern, wobei die Prüfer auch gemeinschaftlich prüfen konnten. Nach der Neuerung ist nun vorgesehen, dass der Bewerber einen zwanzig- bis dreißigminütigen Vortrag hält, auf den eine Aussprache von weiteren 30 Minuten folgt. In diese kann anschließend das Publikum mit eingebunden werden.

Joerg S. hat als einer der ersten gemäß der neuen PO promoviert, ist jetzt Dr. med. dent. und war bereit ein paar Fragen zum Ablauf seiner Promotion zu beantworten.

> Joerg, wie ist denn dein Kolloquium abgelaufen und worauf muss man jetzt besonders achten?

Zuerst einmal kann ich alle beruhigen und verstehe die große Aufregung über die neue PO gar nicht so wirklich! Natürlich denkt jetzt jeder bestimmt: "Der hat ja leicht reden, denn er hat es ja schon geschafft!" Aber für mich hat die neue PO einen großen Vorteil gegenüber der alten: Nämlich die Präsentation! Aber kurz einmal zur Vorbereitung. Nach dem Einreichen meiner Dissertation habe ich sechs lange Monate gewartet, bis ich endlich zum Kolloquium zugelassen wurde! In diesem Zulassungsschreiben wurden mir auch meine beiden Prüfer mitgeteilt.

> Was geschah dann?

Danach begann für mich erst der eigentliche Stress, da ich nicht mehr in Würzburg wohne. Als Prüfling musste ich einen geeigneten Raum suchen, mit beiden Prüfern – und natürlich auch mit mir – einen passenden Termin finden! Zum Glück hatte mein Doktorvater vorgeschlagen, den Konferenzraum der Klinik zu nutzen! Dieser war auch gleich mit Beamer und Leinwand ausgestattet: Perfekt! Nachdem ich die Terminvorschläge vom Sekretariat für die Blockierung des Raumes erhalten hatte, habe ich meinen Prüfern über www.doodle.commögliche Termine vorschlagen. Die Seite fand ich sehr hilfreich, da sie mir unnützen Emailverkehr ersparte. Nachdem ein gemeinsamer Termin gefunden war, musste ich dem Dekanat mindestens drei Wochen vorher den Termin und den Ort des Kolloquiums mitteilen.

> Wie war das genau mit dem Kolloquium?

Zuerst musste natürlich die Präsentation erstellt werden. Dabei habe ich mich an die Gliederung meiner Dissertation gehalten und die wichtigsten Eckpunkte noch einmal zusammengetragen und dargestellt. Jetzt der von mir schon oben erwähnte Vorteil der neuen PO: Da man das Kolloquium mit seiner eigenen Präsentation beginnt, hat man nicht nur einen enormen Einfluss auf das Rigorosum, sondern auch eine halbe Stunde Zeit, sich an die Atmosphäre zu gewöhnen.
Viel unangenehmer hätte ich es empfunden, wenn man mich ab der ersten Minute mit ungewissen Fragen gelöchert hätte!

> War das Kolloquium nach Ende der Präsentation beendet?

Nein, nach dem Ende meiner Präsentation wechselten sich beiden Prüfer mit Fragen ab, die größtenteils auf die Präsentation bezogen waren. So entstand ein ziemlich lockeres Gespräch über meine Doktorarbeit. Das kann bestimmt auch anders laufen; wie man es sicherlich aus den Examensprüfungen kennt oder kennenlernen wird!

> Was hat der Beisitzer während des Gespräches gemacht?

Der Beisitzer hat sich eigentlich aus allem rausgehalten und nur eine Anstandsfrage gestellt. Ein kleiner Tipp zum Schluss: Ich kann jedem nur empfehlen, die beiden Prüfer kurzfristig vor dem Termin nochmals an das Kolloquium zu erinnern! Denn nichts ist schlimmer, als wenn ein Prüfer nicht erscheint!

> Eine letzte Frage: Hattest Du viel Publikum, nachdem die Öffentlichkeit ja nicht ausgeschlossen wird?

Nein, außer meinen Eltern und meiner Freundin war niemand dabei.

Vielen Dank lieber Dr. med. dent. Joerg und herzlichen Glückwunsch!

Die PO ist einzusehen unter:

PO der Uni Würzburg

  • Interview
  • |
  • Anne-Sophie Mehdorn
  • |
  • 05.11.2012

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